LIZZY BORDEN over Frankfurt!
![LIZZY BORDEN over Frankfurt [9. Dezember 2008, „Die Halle“] LIZZY BORDEN over Frankfurt [9. Dezember 2008, „Die Halle“]](http://www.gnadiator.de/wp-content/uploads/2008/12/lizzybordenoverfrankfurt_091208_1.jpg)
Wie auf Schienen fliegt das G-mobil gen Frankfurt, wo an diesem tristen Dienstag Abend ein kleiner Headbanger-Traum in Erfüllung geht: LIZZY BORDEN nochma’ live in Deutschland, und dann auch noch auf Clubshow - wer hätte das gedacht? Brauchen Metal Blade Records vor Weihnachten noch ein Abschreibeobjekt oder was geht hier ab?
Voll kindlicher Vorfreude laufe ich so früh in „Die Halle“ ein, daß ich sogar noch fast das komplette Vorprogramm mitbekomme …
„Die Halle“ entpuppt sich als kleiner Metalclub im Stadtteil Eschersheim am Rand der Frankfurter Innenstadt - eher rustikal als schön, dafür mit mehr als korrekten Preisen. 13 Euro Abendkasse für drei Bands, Kaffee 1,50 - man ist bass erstaunt. Trotzdem verlieren sich an diesem Abend gerade mal 60 Nasen vor der kleinen, völlig überdimensioniert ausgeleuchteten Eckbühne - den Kassenwart, die Tresenkräfte und die Else am Merch großzügig mitgezählt.
Als ich ums Haus herum die schwere Eisenrampe in den Kellerclub hinunterlaufe, sind VIRON aus Mannheim, selbsternannte Speerspitze der „New Wave Of German Heavy Metal“ (*gähn*), schon mitten am machen und tun. Die Mucke entpuppt sich als okayer Power Metal, der jedoch keinen vom Hocker reißt - auch nicht die Anwesenden, die die Band dennoch mit freundlichem Applaus verabschieden.
Nach kurzer Umbaupause entern MARTYR die Bühne: 80’s Metal-Veteranen aus Holland, von denen ich noch nie zuvor gehört habe und die mal wieder aussehen wie frisch aus dem Arsch gezogen. Die Mucke aber taugt, liegt mit ihrem kraftvollen Riffing und den bollernden Drums stilistisch im Fahrwasser der klassischen EPs von EVIL und MERCYFUL FATE. Sänger Rop van Haren ist mehr vor als auf der Bühne und animiert nach und nach jeden einzelnen Besucher im Raum zum Mitmachen, während der Rest der Truppe hüftsteif, jedoch mit sichtlicher Freude seinen Altherren-Metal herunter rockt. Cowboystiefel, Karohemd und Halbglatze gehen aber halt nun mal gar nicht - schon gar nicht in dieser Kombination.
Dann ist es endlich Zeit, „the realms of LIZZY BORDEN“ zu entern. Schnell noch ein frisches Bier geholt und ab an den linken Bühnenrand, wo Lizzys knapp geschürztes Opfer schon die Kamera aufbaut.
Nebel, ein unheilschwangeres Intro - schon stehen die Jungens auf der Bühne und eröffnen mit „Abnormal“ vom aktuellen Langspieler „Appointment With Death“ (einer der unterbewertesten CDs der letzten Jahre - ich bleib dabei) den Reigen. Joey Scott Harges hinter den Kesseln gibt Stoff, diese doppelte Leadgitarre, die zum Intro hereingleitet, ist zum Heulen schön.
Plötzlich huscht ein schwarzer Schatten an mir vorbei und springt auf die Bühne - Mr. Lizzy Borden himself kommt als Tod in Maske und Kaputze über Frankfurt, und schnell steht fest: „There will be blood tonight!“
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Leider hat es für Horror Metal nie zum eigenständigen Genre gereicht, und man muß auch ehrlich sagen, daß das Gros der härtern Gruselrocker qualitativ wenig auf der Pfanne hat. LIZZY BORDEN sind da - neben Altmeistern wie COOPER und Kultacts wie HALLOWEEN - mit weitem Abstand das beste aus der unheiligen Liaison von hartem Rock und blutig-sinnfreier Show.
Was richtig schlechtes haben die Jungens aus Los Angeles in all den Jahren meiner Meinung nie gemacht. Reiner als unter den geschickten Händen von Lizzy und seinem trommelnden Bruder wurde klassischer US-Metal nur selten geschmiedet. Auch die beiden Reunion-Scheiben waren zeitlos schön. Und: Die Buben sind wahre Evergreens, haben sich optisch nur um Nuancen verändert und bleiben auch im 25. Bandjahr lager than life. Selbst Lizzys dünnes Stimmchen klingt noch immer so einzigartig wie eh und je.
Zum Europatournee-Auftakt entpuppt sich die Band als hungrig und lässt trotz spärlicher Kulisse in Frankfurt nix anbrennen. Ob riesige Festivalbühne oder kleine Clubshow - LIZZY und seine Buben bieten die volle Show und setzen auf Arbeitsteilung: Die Band packt Hit um Hit aus, der Frontmann parallel Axt und Keule. Das sorgt naturgemäß für mächtig Laune.
Sexy ist nicht zuletzt die Tatsache, daß LIZZY BORDEN endlich wieder mit zwei Gitarren antreten.
Neben dem großartigen Ira Black macht Chris Sanders an der zweiten Klampfe eine tadellose Figur. Joey am Schlagzeug (mit imposantem Mohawk) sorgt für ordentlich Druck von hinten, der Sound paßt, die Gesichter im Rund sind glücklich, und ich übe mich am Bühnenrand simultan im headbangen und fotografieren (muß saublöd ausgesehen haben, ich weiß; Gottseidank kennt mich in Frankfurt keiner).
Nach 80 schweißtreibenden Minuten wankt der gnadiator entzückt und erledigt zum Tresen, um sich für die Heimfahrt zu stärken. Der Wirt gibt den letzten Kaffee aus, dann ziehe ich mir die Kaputze über den Kopf und tauche ab in die kalte Frankfurter Nacht, zurück auf die einsame Autobahn gen Frankenland. Wird das ein Fest im April beim nächsten „KIT“!
Stef hat derweil noch zwei kurze Clips ins Netz gestellt:
LIZZY BORDEN „Come Out At Night“ (live @ Frankfurt, „Die Halle“)
LIZZY BORDEN „We Got The Power“ (live @ Frankfurt, „Die Halle“)
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![setlist LIZZY BORDEN [9. Dezember 2008, „Die Halle“ Frankfurt] setlist LIZZY BORDEN [9. Dezember 2008, „Die Halle“ Frankfurt]](http://www.gnadiator.de/wp-content/uploads/2008/12/lizzybordenoverfrankfurt_091208_setlist.jpg)