KINO: „Paranoid Park“
Was geschah in jener Nacht in Paranoid Park, dem illegalen geheimnisumwitterten Skatertreff auf der anderen Seite des Flusses? Ein Wachmann liegt tot in Stücken auf dem Bahngelände nebenan, die Polizei taucht an der Schule auf und spricht von Mord. Der 16-jährige Alex (Gabe Nevins) und seine Skater-Clique rücken mehr und mehr in den Mittelpunkt der Ermittlungen.
Behutsam und mit aller Zeit der Welt, jedoch stets hochkonzentriert zieht Filmemacher Gus van Sant sein beklemmendes Jugenddrama auf, folgt seinem ganz eigenen Rhythmus in Bild und Ton (bitte achten Sie auf den Soundtrack!). Wieder ist der US-Kultregisseur interessiert und auch prompt dicht dran an seinen jugendlichen Protagonisten, taucht mit verwackelten, grobkörnigen Bildern in ihren Alltag ab …
Die Kamera folgt den Pubertierenden hinein in die Halfpipe, skizziert ihr Leben, das bestimmt ist von viel Leere, Abhängen und der üblichen Teenager-Langeweile. Doch irgendwann passen die Puzzleteilchen zusammen, der genaue Ablauf einer durch ein fatales Zusammentreffen in wenigen Sekunden ausgelösten Tragödie setzt sich nach und nach zusammen. Es sind Momente wie dieser, in der man sich für das reale Leben so dringend eine STRG + Z-Funktion wünscht …
„Paranoid Park“ nach der Romanvorlage von Blake Nelson ist ein sensibles Stück Edelkino geworden, das die üblichen Krimi-/Krawallkino-Erwartungshaltungen grandios unterläuft und erneut mit einem äußerst unbefriedigenden Ende aufwartet. Wie schon in dem wunderbaren „Elephant“, einer stillen, aber umso heftigeren Aufarbeitung des Schulmassakers von Littleton, versagt sich Gus van Sant auch in seinem jüngsten Sittenportrait einer frei Haus gelieferten, wie auch immer gearteten Auflösung. Insoweit: Man sollte vorgewarnt sein, wenn man an der Kinokasse (s)ein Ticket für den „Paranoid Park“ löst.
(Nachtrag: Ich bin ja immer wieder fassungslos, wie viel konzentrierte Dummheit und Ignoranz manche Journalisten im Stande sind, auf Papier bringen. Sagenhaft zum Beispiel dieses Review hier in der BZ – und ich meine damit nicht Verriß oder Lob. Die Frage ist: Waren solche Menschen auch mal jung? Wenn ja, wie haben die damals getickt? Und: Ab welchem Alter kann man eigentlich in die Junge Union eintreten?)
13 Juni 2008 um 08:47
BZ: … Pullöverchen überm Polohemd, heute HilficKer-Träger. So sehen die aus ;) nie wild gewesen, aber mit Mitte 40 dann die Porsche-Krise und ein junges Weib muss her.
Apropos Kino: schafft ihr es noch mal ein Wochenende hier hoch?
http://www.filmmuseum-duesseldorf.de/fm/labels/Sonderausstellung.html
13 Juni 2008 um 12:51
Boa! Noch nie so eine herabwürdigende Kritik gelesen! Und ich mein natürlich nicht Deine, sondern die des BZ-Herrn.
Ich bin ja auch nicht gerade schonend mit Filmen die mir nicht gefallen, aber was hier an blankem Hass – oder Neid (auf die “Erotik der passiven Körper”) – aus jeder Zeile trieft ist wirklich unvorstellbar.
Ach ja, der Autor ist kein Greis, sondern eher in unserer Altersklasse:
“Jens Balzer, geboren 1969, lebt in Berlin. Er ist Redakteur bei der “Berliner Zeitung” und hat zahlreiche Artikel und Essays über die Ästhetik der Comics verfasst. Außerdem hat er Lehraufträge an verschiedenen Universitäten.”
Was lernen wir daraus? Hände weg von Comics und Universitäten!
16 Juni 2008 um 01:04
Ich bin halt fassungslos, daß er auf die Skater so einschlägt – ausgerechnet auf dieses bunte, friedlich vor sich hin sportelnde Völkchen.
“Von allen Formen der jugendlichen Subkulturen ist das Skateboardfahren (…) am überflüssigsten, uninteressantesten und ödsten.” Was folgere ich daraus? Nazi-Skinheads und Hooligans (beides Jugendsubkulturen) wissen nach Jens Balzer offenbar mit ihrer Zeit bedeutend sinnvolleres anzufangen als Skater. Lieber saufen und Neger klatschen als einmal nüchtern durch die Halfpipe!
Es ist ja immer gefährlich, anhand von Artikeln auf den Menschen dahinter rückzuschließen. Aber die Einleitung, in der er übelst verallgemeinernd über Kinder und Nachwuchs im Allgemeinen abkotzt, erweckt schon den Eindruck, daß da wer ein echtes Problem schiebt …
Aber: Der Typ ist offensichtlich gut im Geschäft. Freuen wir uns für ihn.
@Niamh: Sauinteressantes Thema, werd’s aber leider nicht schaffen.
16 Juni 2008 um 01:10
Nachtrag: Balzer schreibt für die SPEX? Keine Fragen mehr, hohes Gericht! http://www.spex.de/vb/showthread.php?t=186
http://ronsens.de/jens-balzer-artikel
25 Juni 2008 um 11:12
Hat die nicht pleite gemacht? Ich fand die SPEX immer etwas schwafelig, hab aber schon ewig keine mehr gelesen…