Scheiß Dativ!
am 08. Februar 2010 unter Gostenhof, found.org, Nazis abgelegt
„Eine mystische Nacht” verspricht das Gastspiel der beim Kaltenberger Ritterturnier erprobten Celtic Rock Oper „Excalibur” in der gut besuchten Nürnberger Arena. Am Ende des Tages bleibt jedoch nur so viel Mystik, wie eben „in einer Neumondnacht” (der Erzähler) in eine sterile Mehrzweckhalle passt.

Nun ja, die mächtigen MONTY PYTHON hatten die ganze Misere ja schon vor vielen Jahren auf den Punkt gebracht: „Aber ihr könnt doch nicht behaupten, Ihr hättet die Macht, nur weil euch so eine wässrige Schlampe ein Zepter in die Hand gedrückt hat!” Hätte man sich nur mal schön an diese Lesart gehalten …
![GORILLA MONSOON [19. Januar 2010, Z-Bau] GORILLA MONSOON [19. Januar 2010, Z-Bau]](http://www.gnadiator.de/wp-content/uploads/2010/01/gorillamonsoon_190110z-bau_nuernberg.jpg)
In der Nacht nach dem Debakel geht es zurück an die schwermetallische Basis. „Hell Goes On Tour 2010“ im Z-Bau. Ein herzliches Wiedersehen mit den endcoolen GORILLA MONSOON, die mit ihrem schwanzgesteuerten Hellrock auch im gut besuchten Roten Salon eine mächtige Staubfahne hinter sich herziehen. Doch damit nicht genug …
Beim letzten MANOWAR-Konzert hatten wir Plastikschwerter dabei, aber es war trotzdem nicht wirklich witzig. Jetzt ist die Kapelle wieder auf Tour, und tatsächlich falle ich erneut auf die selbsternannten Metalkönige herein, deren fabelhaftes Frühwerk mir so manche Stunde meiner tristen Jugend versüßt hat, deren Live-Qualitäten jedoch bis heute weit oben in meinen all-time-Flop10 verewigt sind. Und ich habe es echt immer wieder versucht.
![MANOWAR live in der Stadthalle Fürth [18. Jänner 2010] MANOWAR live in der Stadthalle Fürth [18. Jänner 2010]](http://www.gnadiator.de/wp-content/uploads/2010/01/manowar_180110stadthallefuerth1.jpg)
Natürlich hätte die Truppe auch diesmal einfach nur töten können - wenn sie denn gewollt hätte. Doch in der nicht sonderlich gut besuchten Fürther Stadthalle (welch Wunder, bei einem Ticketpreis von 66(!) Talerchen an der Pforte) bleiben MANOWAR sich selbst treu und erneut Lichtjahre hinter ihren Möglichkeiten.
Recht schnell war das Treiben auf der Bühne jedoch zweitrangig, nachdem irgendein Vollhorst beim dritten Song im Parkett eine Stinkbombe hochgehen ließ …
Konzertauftakt 2010: Endlich wird wieder gerockt! Mit Einbruch der Nacht lockt das „Bonecrusher Fest“ in die große böse Stadt. Ein bunt gemischtes Tourpaket mit sieben internationalen Kapellen walzt sich durch Mitteleuropa und macht Station im feschen Frankenland.

Dem Kraut- und Rüben-Programm entsprechend präsentiert sich das Auditorium im vollbesetzten Hirsch bemerkenswert bunt: True, Death und Black Metaller, jede Menge M’Core-Kappen, viele junge Emokids und dazwischen eine Fraktion strunzbetrunkener GIs im besten 90er Jahre Look mit Karohemden, kurzen Hosen und Schirmmützen wie aus den alten SUICIDAL TENDENCIES-Videos …
Zwischen den Jahren haben sich die Kollegen vom CCC neben einer Nazi-Flirtseite und -Partnerbörse (Merke: Auch Faschos lieben rosa Söckchen), einem Single-Treff der Bundeswehr sowie den Heimseiten der CSU Rosenheim und der NPD Niederbayern unter anderem auch den Online Shop von Thor Steinar samt Kundendatenbank angeguckt.

Bei den konzentrierten Aktionen wurde nicht nur ein beeindruckender Pool an bislang unbeachteter geistiger Kreativität der breiten Allgemeinheit offengelegt (Usernamen wie Krawallbruder, NordischeMaid, NSbunnyMV, kleinerwolf88 und bommel88, Paßwörter wie 123456, deutsch, skinhead, landser und siegheil), es kam auch die ein oder andere interessante Information bei rum …
Der Glühweinausflug endet bei Rob The Man in Fürth, wo wir vor dem Kaminfeuer sitzen und auf seinem fabelhaften antiken Philips-Portable-Plattenspieler alte ABBA-, BEATLES und BONNEY M-Singles kreisen lassen. Es ist Pe, die das Thema anreißt. Ihre Frage kommt aus dem Nichts. „Welcher Song soll mal auf Euerer Beerdigung laufen?“
Stille. X-ie ist der erste, der das Wort ergreift. „Bei Basti haben sie damals ,Eye Of The Tiger’ gespielt.“
„,Eye Of The Tiger’? Das ist nicht Dein Ernst!“ Ich bin nicht der einzige, der mittelprächtig entrüstet ist.
„Hey! Das war ein Wunsch von ihm. ER WOLLTE ES SO!“
Schon recht, aber wenigstens hier ist sich die Runde dann doch schnell einig: Der Tiger geht gar nicht. Ebensowenig wie „Simply The Best“ und „Summer Of ‘69“. Oder „Here I Go Again“ (nein, nicht witzig!) …
For all of you who love everything about porn …
… except the sex: „NAILING YOUR WIFE“!
Link: www.youtube.com
Ganz groß ist auch das Mini-Musical mit Jenna Haze.
Und natürlich die Nummer „Helpful Bus“.
Ganz nett: „Roadside Ass-sistance“ feat. Sasha Grey und „High Poon“ feat. the mighty Belladonna.
Hat das Christkind gebracht: Ein Tyrannen-Quartett. Mit Adolf Hitler als „Blitz Trompf“. Kein Wunder, bei 55 Millionen Todesopfern.

Ich weiß, was Ihr jetzt sagen wollt: Geschmacklose Scheiße das. Stimmt. Ich steh’ trotzdem drauf.
Wir sollten werden 2010 unbedingt ein neues Radioformat daraus stricken.
30 Jahre lang hat Christian Sprang, im wirklichen Leben Justiziar beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, ungewöhnliche Todesanzeigen gesammelt. Eine Auswahl der originellsten, lustigsten, schrägsten und fiesesten Fundstücke liegt nun in Buchform vor.
„Über die Toten nichts schlechtes“ heißt es für gewöhnlich. Von wegen! In „Aus die Maus“ wird gnadenlos abgerechnet. Todes- oder Gedächtnisanzeigen - letztere werden für gewöhnlich ein Jahr nach dem Tod aufgegeben - sind immer wieder eine willkommene Gelegenheit, Dritte in aller Öffentlichkeit abzuwatschen („Ich distanziere mich, mit Bruno K. und Karin R. in Verbindung gebracht zu werden“) oder beim Verschiedenen selbst ein letztes Mal nachzutreten („Er hatte es nicht immer leicht. Wir aber auch nicht mit ihm“). Bei der Lektüre von Hassanzeigen und nachträglichen Klarstellungen wird schnell deutlich: Wer klug ist, schaltet noch zu Lebzeiten eine Selbstanzeige und nimmt den finalen Gruß in die eigene Hand …
Letztes Jahr entdeckt, jetzt - passend zur Jahreszeit - wieder rausgekramt. Und erneut von den Socken: „Der Novembermann“ ist eines der besten Hörspiele, die ich in den letzten Jahren zu Ohren bekommen habe!
Als Henry vom Unfalltod seiner Frau erfährt, ist er verunsichert: Maria starb auf der Autobahn, die in den Norden führt - wo sie doch eigentlich, wie jeden Winter, für einen Monat nach Italien wollte. Als weitere Ungereimtheiten folgen, macht sich der Pastor aus dem Ruhrgebiet auf nach Norddeutschland - und findet auf Sylt einen blinden Musiker, der Marias „Novembermann“ war …
Die Derbe Suppe hat mich mit der Nase draufgestupst. Und ich bin noch immer nicht drüber weg, wie dieser Spaß die letzten Jahre so völlig an mir vorbeigehen konnte …
![DEICHKIND live in Fürth [8. Dezember 2009] DEICHKIND live in Fürth [8. Dezember 2009]](http://www.gnadiator.de/wp-content/uploads/2009/12/deichkind_081209_stadthallefurth1.jpg)
… aber pünktlich zum Finale sind wir am Start! Tatort Fürth: Ein Raumschiff ist in der fast vollbesetzten Stadthalle gelandet und hat sich auf der Bühne zu einem Tempel aufgeklappt. Rund um diese mobile Kultstätte tanzen Müllmenschen mit seltsamen Pyramidenhüten, auf denen Lichter und Laufbänder zucken. Willkommen in der bizarren Neonwelt von DEICHKIND!
Kann ein Zombiefilm heute noch neue Impulse setzen? Natürlich nicht. Die derbe Splatter-Komödie „Zombieland“ versucht auch gar nicht erst, das Genre neu zu erfinden, sondern ist einfach nur ein schneller blutiger Spaß …
![MOTÖRHEAD live in der Stadthalle Fürth [7. Dezember 2009] MOTÖRHEAD live in der Stadthalle Fürth [7. Dezember 2009]](http://www.gnadiator.de/wp-content/uploads/2009/12/motorhead_071209_stadthallefurth.jpg)
Alle sind sie gekommen, um den großen alten Mann des Hardrock noch einmal zu sehen. Doch noch ist die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Beim Gastspiel von MOTÖRHEAD in der vollbesetzten Fürther Stadthalle präsentierte sich der Altmeister (demnäxt dann 64) mit seiner Bande fitter als zuletzt …
Meine all-time-Lieblings-DEPECHE MODE-Geschichte geht so: Als die Band Ende der 80er Jahre richtig groß und in den Sportarenen dieser Welt zu Hause war, hatten die Buben unter ihren Keyboad-Burgen Fernseher stehen, auf denen sie während der Konzerte heimlich Fußball geguckt haben.
![DEPECHE MODE live in der Arena in Nürnberg [1. Dezember 2009] DEPECHE MODE live in der Arena in Nürnberg [1. Dezember 2009]](http://www.gnadiator.de/wp-content/uploads/2009/12/depechemode_011209nuernberg3.jpg)
Legende oder Wahrheit? Völlig egal eigentlich. Aber wenn ich mir Andrew Fletcher 20 Jahre später so angucke, ist das schon gut vorstellbar. Der Typ steht auf der Bühne und hat NICHTS zu tun. Ein bißchen winken, ein wenig dehnen, Stretching, Standjogging - hat was von Aufwärmtraining am Spielfeldrand. Doch wofür? Die Arbeit macht komplett der Mietmucker nebenan. So läßt es sich aushalten!
30 Jahre Kurzarbeit auf den großen Bühnen dieser Welt, herzlichen Glückwunsch. Was ein peinlicher Typ! Da glaubt man auf’s Wort die alte Mär, daß die Initialen DM für Dave & Martin stehen. Wenn’s hier mal nix mehr ist - bei SCOOTER sollte für den Kollegen immer ein Plätzchen frei sein.
Ansonsten entpuppt sich das Wiedersehen mit DEPECHE MODE in der Arena über weite Strecken als sehr müde, was nicht mal nur die Schuld der Band ist …